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European
Standards Dass
der Jazz heute eine weltweit populäre Musiksprache ist, verdankt er auch
den Standards des Great American Songbook et vice versa.
Was
seit Jahrzehnten dem Verschleiß durch die Verwertungswut einer global
agierenden Werbeindustrie standhält, sind die hintergründigen Musik- und
Sprachcodes von Kern, Gershwin, Porter, Rodgers & Co. Doch ein Teil dieser subtilen Codes, die die American Standards in über hundert Jahren zu einer globalen Hochkultur erhoben haben, ist bis heute nur dem englischsprachigen Native Speaker zugänglich geblieben. Will man als Europäer dem europäischen Publikum auf dieser tieferen kollektiven Bewusstseinsebene begegnen, muss man in der Zeit oft weiter zurückgehen, tiefer graben, eigene Wurzeln freilegen: Man braucht so etwas wie European Standards.
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Bisher begann jeder Euro Standard seine Jazz-Karriere als Einzelfund, als eine Melodie im Zustand eines "Jazz-Rohdiamanten". Der obligatorische Jazz-Kunstschliff macht ihre Form für eine Jazz-Fassung, (z.B. für eine Songform) so passend wie nötig, bewahrt dabei aber so viel Substanz und Originalprofil wie möglich. Schon
in meiner Zeit als Jazzstudent habe ich damit begonnen, nach europäischen
Standards zu forschen. Dabei
verdanke ich vieles den
Jazzgrößen des Third Stream, deren Stile sich schon
seit den 1960er Jahren im Spannungsfeld zwischen Charlie Parkers Bebop
und den jazznahen europäischen Klassikern von Bach und Händel
bis Ravel und Bartok bewegen.
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Greensleeves
Diese
Essenz verweist auf die Romanesca und diese widerum auf das Lamento. -vom
modalen dorischen Kirchenton bis hin zum neuzeitlichen Durmoll -von
der alten Begleitakkordformel der Romanesca (Am G Am E) bis hin zum hochmodernen
Chorus eines Jazz Waltz -von den diatonischen Drei- und Vierklängen der frühesten notierten Greensleeves-Versionen um 1600 bis zur Chromatik der fünf- und mehrtönigen Blue Chords des Jazz. |
Welche andere Melodie zog so verschiedene Epochen in ihren Bann wie Greensleeves, welche andere Melodie vermochte eine so große historische und stilistische Bandbreite von Komponisten, Arrangeuren und Interpreten zu faszinieren und zu inspirieren? Das Attribut Evergreen steht für Unsterblichkeit, und die Zahl berühmter Greensleeves-Verehrer ist so enorm, dass sich einige finden lassen, die selbst im Ruf der "Unsterblichkeit" stehen. Zu
dieser Personengruppe gehören für mich: -der
Dichterfürst William Shakespeare, -der
amerikanische Saxophonist John Coltrane, der vielleicht aussichtsreichste
Anwärter auf den Titel "Jazzpapst", |
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